Links überspringen

Erich Hauser – Was für ein Kerl!

Wendelin Renn


Datum:
23. November 2020
Wendelin Renn in der Werkstatt; Foto: Michael Kienzler

»Eine der eindrücklichsten Erinnerungen an Erich Hauser verbinde ich mit unserem gemeinsamen Ausstellungsprojekt ‚Skulptur bei Benzing‘. Der Schwenninger Unternehmer Max Ernst Haller bereitete zu seinem 60. Geburtstag ein Fest für seine Familie, seine Freunde und den Mitarbeitern seiner Firma vor. Als besondere Attraktion wünschte er sich eine Skulpturenausstellung auf der Freifläche vor seinen Fabrikhallen im Schwenninger Industriegebiet. Haller erzählt mir von seiner Ausstellungs-Idee, wie in meinem Terminkalender notiert steht, bei einem Gespräch am 7. Mai 1990 und fragte mich zugleich, ob ich ihm den Kontakt zu Erich Hauser vermitteln könnte. Auf meine Gegenfrage, wann die Eröffnung sein solle und welches Budget er sich für das Projekt denn vorstelle nannte mir der kunstsinnige Unternehmer den 4. Juli 1990 und einen Geldbetrag, worauf ich ihm spontan antwortet: „Da bleibt nicht viel Zeit und das wird eine Ausstellung mit Kleinskulpturen“.
Am darauffolgenden Tag rief ich Erich Hauser an und fragte ihn, ob er zu einem Gespräch mit Max Ernst Haller über das angedachte Kunstprojekt Zeit finden könnte. Erich Hauser sagte sogleich zu und bereits am 10. Mai 1990 saßen der Künstler, der Unternehmer und ich am Tisch im großen Raum in der neugebauten Pyramide. Erich Hauser bestätigte meine Überlegungen zur engen Vorbereitungszeit wie zu den ‚kleinen Skulpturen‘ für das Projekt auf der grünen Wiese mit dem angedachten Budget, erläuterte differenziert anfallende Kosten für Transport, Aufstellung und Standsicherheit von größeren Skulpturen im Freien und nannte Namen von Künstlerkollegen, die er sich für dieses Vorhaben vorstellen konnte. Auch ich konnte junge Künstler meiner Generation vorschlagen.
Bevor aber die Künstlerkollegen für eine Beteiligung angefragt werden sollte, war es Erich Hauser wichtig, die Örtlichkeit, an der die Kunst gezeigt werden sollte, in Augenschein zu nehmen. Am Tag darauf traf man sich vor Ort, Max Ernst Haller war zu einer Budgeterhöhung bereit und wir bekamen den Auftrag, die Ausstellung vorzubereiten. Erich Hauser überzeugte dann den Unternehmer, dass ‚kleinere Bodenkorrekturen‘ gemacht werden sollten und auch dem stimmte Max Ernst Haller zu. Wenige Tage später waren zwei Planierraupen organisiert und Erich Hauser ‚dirigierte‘ einige Stunden die Erdbewegungsmaschinen, einem Feldherrn auf dem Hügel stehend gleich, bis die konkaven und konvexen Oberflächen des Geländes seinen Vorstellungen entsprach.
Gezeigt wurden Skulpturen von Gerlinde Beck, Ingrid Hartlieb, Christa Roesner-Drenhaus, Hans Albrecht, Christof Freimann, Florian Granwehr, Hans Geipel, Rudolf Härdi, Erich Hauser, Thomas Lenk, Gerold Miller, Jean Mauboulès und Axel F. Otterbach. Die Drucksachen gestaltete das Stuttgarter Grafik-Büro Stankowski-Duschek und lokale und überregionale Medien berichteten über die Skulpturen-Schau. Als dann im Fernsehbeitrag des SWF die Schwenninger Ausstellung mit der gleichzeitigen Werkschau im Skulpturenpark der Herzogin von Württemberg im Schloß von Altshausen verglichen wurde und die Kunstkritiker die ‚Skulptur bei Benzing‘ über ‚dr Schelle Kenig naus‘ lobten, waren alle zufrieden.«

– Wendelin Renn, Kunsthistoriker

Weitere Beiträge

Ad multos annos!

Zum Entstehen des Werkverzeichnisses 1970-1980

Erich Hauser ist der Ehrenschlaraffe EDELSTAHL

Für Erich zum 15. Dezember 2020

Günter Baumann trifft Heiderose Langer

Leider auch seine Fingerkuppen

Wie Hauser einmal auf dem Teppich blieb

Du, pass auf!

NIX!

Zum 90igen Geburtstag

Erich Hauser, der Netzwerker

Erich Hauser – Was für ein Kerl!