Links überspringen

Wie Hauser einmal auf dem Teppich blieb

Peter Renz


Datum:
30. November 2020

»Erich Hauser kenne ich seit meiner Jugendzeit in den späten Fünfzigern, als es ab und zu Begegnungen in der Schramberger Gastronomie gab. So richtig mochten wir uns damals nicht, jeder war wohl zu sehr Individualist und erkannte in dem Anderen den Exzentriker, dem seine eigene Freiheit über alles ging.

Jahre später war der eine ein renommierter Künstler mit Großatelier in Rottweil und ich ein nach Erfolg strebender Teppichkaufmann in Schramberg. Wir trafen uns am Rande einer Party im Hause eines gemeinsamen Schramberger Freundes. Hauser mißbilligte  lauthals die historischen Kasaks, die ich dem Schramberger Freund geliefert hatte und drohte sie zum Fenster raus zu schmeißen. Den darüber hitzig geführten Dialog beendete ich schließlich mit der Prognose: „Auch du wirst eines Tages mal einen Teppich für mich entwerfen!“ Eine Prophezeiung, die Hauser damals mit einer nicht druckreifer Replik vehement in Abrede stellte.

Doch dann kam im Jahr 1998 Hausers Anruf: „Komm nach Rottweil!“ In der Pyramide zeigte er mir das Foto eines Teppichs. „Was ist das?“ Es war der Teppich, den die Textildesignerin Prof. Margret Hildebrand für den Deutschen Pavillon zur Weltausstellung 1958 gestaltet hatte – ein im Baushausstil klar kubistisch angelegter Entwurf. Nachdenklich blickte Erich Hauser auf das Foto und sagte schließlich: „Ich seh ihn schon vor mir – den Teppich, den ich für dich entwerfen werde.“

Und so entstand der Entwurf zu einem Meisterteppich – ein Quadrat,  durch Linien in hell und dunkel kontrastierende Flächen aufgegliedert. Feingeschnittene Elemente aus Edelstahl setzten in den Ecken des Teppichs schimmernde Akzente. So verband Erich Hauser den harten Werkstoff Edelstahl mit der weichen Schafswolle zu einer naturreinen Einheit. Die samtige Oberflächenstruktur des in Handarbeit gefertigten Teppichs stand dabei im spannungsvollen Kontrast zum metallischen Glanz der Stahlintarsien. Der Erich-Hauser-Teppich erschien in streng limitierter Auflage und fand mit großem Erfolg Abnehmer in aller Welt. Erich war zehn Jahre älter als ich. Das machte ihn zwar nicht unbedingt zum Vorbild für mich. Wenn wir aufeinander trafen, konnte es manchmal heftig krachen. Dafür entstand aber auch meist etwas Neues, nie Dagewesenes. Allein dafür lohnt es sich zu leben!«

– Peter Renz, Teppichexperte

Weitere Beiträge

Rietheim

Ad multos annos!

Zum Entstehen des Werkverzeichnisses 1970-1980

Erich Hauser ist der Ehrenschlaraffe EDELSTAHL

Für Erich zum 15. Dezember 2020

Günter Baumann trifft Heiderose Langer

Leider auch seine Fingerkuppen

Wie Hauser einmal auf dem Teppich blieb

Du, pass auf!

NIX!

Zum 90igen Geburtstag

Erich Hauser, der Netzwerker