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Wie ich Hauser begegnet bin

Matthias Beckmann


Datum:
20. November 2020

»Ich bin Erich Hauser nie begegnet.

Eine angenehme, ältere Dame öffnete die Tür zum Wohnhaus Hausers. Sie hat schon für Ewald Mataré gearbeitet und konnte viel erzählen.

Die Partys im Hause Hauser waren legendär, sagte man mir. Da konnte schon mal Wein auf den Teppich spritzen oder eine Schramme in der Sitzgruppe oder auf einem Kunstwerk dazukommen.

Seine frühen Werke wollte er lieber nicht mehr zeigen. Den Ursprung seiner Kunst aus dem Handwerk sollte man nicht sehen.

Ich habe ungefähr zwei Wochen vor Ort gewohnt und alles gezeichnet – Wohnhaus, Werkstatt, Pyramide, Park, Kunst und einiges mehr. Das war eine gute, ruhige Zeit.

Das Haus von Hauser hängt voller Kunst. Am liebsten würde ich das kleine, weiße Relief von Jan Schoonhoven mitgehen lassen. Er arbeitete als Postbeamter in Den Haag.

Kein Pharao ohne Pyramide. Erich Hauser hat sich auch eine gebaut und schon zu Lebzeiten dort gewohnt. Die Pyramide ist gläsern, transparent. Die Toilette im Obergeschoss öffnet sich zum Raum.

In der Pyramide gibt es ein Modell der Pyramide.

Spitzen, überall Spitzen, kleine Spitzen, große Spitzen, monumentale Spitzen. Sind die frühen Plastiken noch schrundig und roh, so werden sie später immer perfekter, die Spitzen immer spitzer.

Erich Hauser hatte einen Werkstattmeister, den er sehr schätzte. Hausers Werke entstanden in der Werkstatt und fanden den Weg in die Städte, vor Verwaltungsgebäude, Rathäuser, in Parks.

Ich denke, dass Hauser gerne Grappa getrunken hat.

Die kleinen Modelle, die der Künstler für seine großen Plastiken geschaffen hat, zeigen einen verspielten Hauser. Das gefällt mir gut.

Würde ich Erich Hauser mögen, wenn ich ihm begegnen könnte? Ich weiß es nicht. Es käme darauf an in welcher Stimmung er ist und wie ich gelaunt bin.

Die kleinen Mähtraktoren fahren durch den sanft hügeligen Park, drehen Runden um die glänzenden Metallriesen, um dann wieder gerade, parallele Bahnen zu ziehen.

Im Keller des Wohnhauses hängt in einer Vitrine ein alemannisches Fastnachtskostüm mit einer merkwürdigen Maske. Es ist das Gesicht von Erich Hauser.«

– Matthias Beckmann

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