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Ad multos annos!

Hans Aicher


Datum:
17. Dezember 2020
Blick in die Werkstatt von Erich Hauser in Schramberg, ca. 1958; Foto: Kunststiftung Erich Hauser
Foto: Kunststiftung Erich Hauser

»Mein erstes Kennenlernen von Erich Hauser ist relativ lange her. Es war bei den Kellerarbeiten für das Schwarze Haus im Sommer 1969. In den Sommerferien arbeitete ich fünf Wochen „auf dem Bau“. Zufällig hatte ich einen Hilfsarbeiterjob bei einer Firma aus der Heimatgemeinde Hausers, die auf der Saline ein Wohnhaus errichtete. Ich wunderte mich sehr, als ich plangemäß für zwei Weinkeller in unterschiedlicher Tiefe mit Pickel und Schaufel Fundamente graben musste.
Der Bauherr ließ nämlich je einen Keller für roten und einen für weißen Wein bauen. Unglaublich aus der Sicht eines Knaben im zarten Alter von 14 Jahren! Wir träumten damals noch nicht einmal von einem einzigen Fläschchen, denn ein Glas Wein war eigentlich schon eines zuviel!
Wenige Wochen später traf ich ihn wieder: Ich war inzwischen Rottweiler Schüler im Bischöflichen Konvikt und Erich Hauser – noch relativ frisch als erfolgreicher Künstler – ein angeblich guter Freund von meinem Konviktsdirektor Erich Legler.
Darüber hinaus ist mir Herr Hauser später in Rottweil noch oft begegnet.

Mit zwei speziellen Episoden aus den Jahren 1969/70 möchte ich die Erinnerung an ihn noch ergänzen:

Nach einer pubertären Eselei wurde ich öfters zu einem schwierigen Gespräch in das Dienstzimmer des Konviktsdirektors einbestellt. Er war der frühere Jugendkaplan von Schramberg und Hauser-Freund sowie der Retter, Erwerber und Eigentümer von Hausers Konviktskreuz.
Erich Legler hatte es im Dienstzimmer über seinem Schreibtisch hängen. Eine seiner Erziehungsmaschen war es, den jeweiligen Sünder in sein Direktoren-Arbeitszimmer stets mit Blick auf das Hauser-Kreuz und auf den für uns erbärmlich wirkenden Christuskörper zu setzen sowie mindestens 15 Minuten schmoren zu lassen, bis er sich endlich Zeit für das Donnerwetter nahm. Herr Legler vertraute wohl darauf, dass der Kreuzesanblick das Gewissen des Deliquenten berühren und ihn demütig werden lassen möge. Wenn ich richtig informiert bin, trägt das Kreuz den Namen »Bin kein Mensch, bin ein Wurm, der Leute Spott«. Diese Namensgebung dürfte Herrn Legler bestens vertraut gewesen sein – uns Konviktoren nicht. Seine Wirkung entfaltete das Kreuz – zumindest bei mir.
Aus heutiger Sicht kann man sich schon fragen, ob Erich Legler – er hatte neben Theologie auch Philosophie studiert – heute noch als Pädagoge so handeln würde.

Die zweite Geschichte erzählt davon, wie uns Erich Hauser zu Ausstellungseröffnungen von Forum Kunst „gelockt“ hat. Erich Legler hatte Erich Hauser zu einem Informationsabend ins Konvikt eingeladen. Solche Besuche kamen im Konvikt in der Regel einmal pro Monat vor, denn wir Konviktoren sollten dadurch einen Einblick in verschiedene Berufswelten bekommen. Erich Hauser wirkte auf uns „irgendwie anders“ im Vergleich zu sonstigen Abendgästen. Wir konnten ihn mit seiner Schwärmerei von/über Kunst nicht einordnen. Vielleicht waren wir einfach zu jung dafür oder hatten zu Kunst noch keinen Zugang und zu wenige persönliche Kontakte zu Künstlern. Erich Hauser hatte uns auf seiner Seite, als er indirekt kostenlose Getränke und Häppchen sowie die Anwesenheit junger Frauen bei Forum Kunst versprach, indem er uns zu Eröffnungsveranstaltungen einlud.
Das war – wie man heute sagen würde – ein klassisches Win-Win:
Er hatte damit automatisch etliche junge Leute unter den Gästen und wir konnten vielfältige Erfahrungen sammeln: Neben der Begegnung mit Kunst bewegten wir Konviktoren uns eigentlich auf doppelt vermintem Gelände – Alkoholische Getränke und weibliche Wesen, auch im für uns richtigen Alter. Wir spürten und mussten uns eingestehen, dass wir uns eigentlich nur an den Gläsern festhielten und eher mit offenen Mündern und trockenen Kehlen sowie recht ahnungslos im Weg herumstanden. Das musste sich ändern!
Deshalb überzeugten wir unseren Kunstlehrer davon, dass er im Unterricht jeweils die Ausstellungen von Forum Kunst besuchte und uns damit für zukünftige Gespräche über moderne Kunst ausreichend präparierte. Wir waren davon überzeugt, bei nächster Gelegenheit unser neues Wissen über Kunst mit Sachverstand einbringen zu können.

Seit kurzer Zeit bin ich im Unruhestand und freue mich darüber, dass ich neben Stadt- und Turmführungen nun auch im Areal der Kunststiftung Erich Hauser im Team mitwirken darf und zum Beispiel an Offenen Sonntagen Gästen den Skulpturenpark und die beiden Wohnhäuser erläutern kann. Im Team für Gäste wurde ich sehr freundlich und unkompliziert aufgenommen und fand bei den Ansprechpartnern der Stiftung stets eine zuvorkommende Unterstützung, wie man es sich als Neuling nur wünschen kann.

Es macht mir einfach viel Freude, wenn ich bei den Gästen spüre, dass sie sich im Gelände der Stiftung etwas Ablenkung vom und Erholung für den Alltag holen sowie die Kunst und das Lebenswerk von Erich Hauser genießen können.
Ad multos annos!«

– Hans Aicher

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